Community Nursing: Wenn Ideologie über Vernunft zu siegen droht

Zum Jahreswechsel 2024/25 zeichnete sich in immer mehr Bundesländern ab, dass das Pilotprojekt „Community Nurse“ ein unrühmliches Ende finden wird. Zwar sagt niemand von den Verantwortlichen aus den Ländern, dass sie oder er das Projekt nicht mehr haben wollen, doch Engagement für die Fortführung sieht anders aus. Ich habe daher am 7. Jänner eine Anfrage an den Bundesminister Johannes Rauch in der Sache eingebracht, um einmal Zahlen, Daten und Fakten in der Sache am Tisch zu haben. Und: Die Antworten unterstreichen die Bedeutung dieses Projekts erneut. Die Pilotphase finanziert durch die EU war ein voller Erfolg, und doch steht die Fortführung steht auf wackeligen Beinen. In diesem Blogbeitrag möchte ich die wichtigsten Ergebnisse und Herausforderungen beleuchten – und aufzeigen, warum wir uns weiterhin für dieses wichtige Projekt einsetzen müssen.

Ein Blick auf die Erfolge

Die Zahlen sprechen für sich: Zwischen 2022 und Ende 2024 wurden im Rahmen der Community-Nursing-Pilotprojekte 117 Einzelprojekte umgesetzt, an denen 265 Community Nurses beteiligt waren – das entspricht 172,46 Vollzeitäquivalenten (VZÄ). Diese Projekte erzielten beeindruckende 550.000 Kontakte, davon rund 286.000 direkte Klient:innenkontakte und 264.000 Netzwerkkontakte. Die Community Nurses haben nicht nur Pflegebedürftige unterstützt, sondern auch Angehörige entlastet und präventive Maßnahmen umgesetzt. Ihre Arbeit reichte von der Beratung und Betreuung bis zur Vernetzung mit anderen Angeboten in den Gemeinden. Ziel war es, die Gesundheitsversorgung vor Ort zu stärken und Menschen so lange wie möglich ein selbstbestimmtes Leben in den eigenen vier Wänden zu ermöglichen.

Von der Pilotphase zur Regelfinanzierung – Eine unklare Zukunft

Das Pilotprojekt wurde auch Mittel aus dem RRF der EU (Recovery- und Resilienz-Fonds der EU) gefördert. Mit dem Ende der Förderung Ende 2024 wurde die Finanzierung der Community Nurses in den österreichischen Pflegefonds überführt. Dieser wurde im Zuge des Finanzausgleichs von knapp 400 Mio Euro auf mehr als 1,1 Mrd Euro aufgefettet. Das bedeutet: Die Bundesländer haben nun nicht nur die Verantwortung, diese Projekte weiterzuführen oder neue zu initiieren, sondern auch die dafür nötigen Mittel. Und genau hier liegt das Problem:

  • Keine Zweckbindung der Mittel: Obwohl mehr als ausreichend Geld vorhanden ist, um zumindest die Projekte fortzuführen, fühlen sich einige Bundesländern nicht dazu veranlasst das auch zu machen. In den Verhandlungen zum Finanzausgleich klang das noch anders.
  • Regionale Unterschiede: Damit ergibt sich die Situation, dass einige Bundesländer bestehende Projekte fortführen während in anderen Regionen jegliches Engagement dazu fehlt.
  • Bürokratische Hürden: Dazu kommt auch noch, dass Gemeinden, die das Projekt weiterführen wollen, oft auf administrative Hindernisse stoßen oder finanziell nicht ausreichend dabei unterstützt werden.
Kritik an den Bundesländern

Besonders enttäuschend ist die Situation in meinem Heimatbundesland Oberösterreich. Hier zeigt sich exemplarisch, wie mangelnder politischer Wille den Erfolg eines Projekts gefährden kann. Gemeinden, die bereit wären, Community Nurses weiter zu beschäftigen, sehen sich mit Steinen im Weg konfrontiert – sei es durch fehlende Unterstützung oder durch das offensichtliche Vorenthalten von Mitteln aus dem Pflegefonds. Das ist dann insofern perfide, weil man sich in der Pilotphase noch öffentlich für den Erfolg rühmte. Jetzt scheint hingegen das Engagement zur Fortführung schlicht nicht vorhanden zu sein. Das ist nicht nur kurzsichtig, sondern gefährdet auch die Gesundheitsversorgung vor Ort.

Warum Community Nursing unverzichtbar ist

Die demografische Entwicklung in Österreich macht deutlich: Wir brauchen mehr denn je niederschwellige Angebote wie Community Nursing. Die Bevölkerung wird älter, der Bedarf an Pflege steigt – gleichzeitig fehlen oft präventive Maßnahmen und Unterstützung für pflegende Angehörige. Community Nurses sind weit mehr als Pflegekräfte: Sie sind Netzwerker:innen, Berater:innen und Koordinator:innen. Sie helfen dabei, bestehende Angebote besser zu nutzen und schaffen eine Verbindung zwischen Menschen und dem Gesundheitssystem. Ihre Arbeit stärkt nicht nur die individuelle Lebensqualität, sondern auch den sozialen Zusammenhalt in den Gemeinden.

Was jetzt passieren muss

Die Fortführung der Community-Nursing-Projekte darf nicht dem Zufall überlassen werden! Es braucht klare Strukturen und Anreize für die Bundesländer, um dieses Erfolgsmodell flächendeckend auszubauen:

  1. Zweckbindung der Mittel: Im nächsten Finanzausgleich muss es entweder zu einem Ende der föderalen Strukturen und Zuständigkeiten in Sachen Pflege kommen, oder es gibt klare Vereinbarungen beim Einsatz der Mittel.
  2. Transparenz: Es braucht regelmäßige Berichte darüber, wie die Mittel verwendet werden und welche Erfolge erzielt werden.
  3. Unterstützung für Gemeinden: Gemeinden dürfen nicht alleine gelassen werden – weder finanziell noch organisatorisch.
  4. Weiterentwicklung des Modells: Die Pilotphase hat gezeigt, dass Community Nursing funktioniert. Jetzt gilt es, das Modell weiter auszubauen und an neue Herausforderungen anzupassen.
Fazit

Die Pilotphase der Community Nurses war ein voller Erfolg – aber ohne klare Strategien droht dieser Erfolg zu verpuffen. Wir dürfen nicht zulassen, dass bürokratische Hürden oder mangelnder politischer Wille ein so wichtiges Projekt scheitern lassen. Ich werde mich weiterhin dafür einsetzen, dass Community Nurses nicht nur zurückkehren, sondern auch in Kompetenz und Anzahl ausgeweitet werden. Denn eines ist klar: Angesichts des demografischen Wandels braucht unser Land dieses Angebot dringender denn je! Am Ende darf die offensichtliche Ablehnung allem, was vielleicht Grün punziert ist nicht die Versorgung der Bevölkerung gefährden. Das passiert aber aktuell gerade mit dem Verhalten einzelner Ländern, ganz besonders bei uns in OÖ. Und das nehme nicht nur ich so wahr, diesen Eindruck teilen viele Menschen.

Hier noch ein Video zur Erklärung:

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